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Zeitstudie: Beobachtungen, Vorgabezeit und Zuschläge
Eine Zeitstudie erfasst zunächst vergleichbare Beobachtungen bei definierter Methode. Ein beobachteter Mittelwert ist nicht automatisch eine Vorgabezeit. Leistungsgrad und Zuschläge brauchen eine ausdrückliche Begründung; ORDREL erfasst Beobachtungen, zertifiziert aber keine Arbeitszeitvorgabe.
Die Bedeutung einer Beobachtung festlegen
Benennen Sie Prozess, Produkt, Start- und Endereignis. Entscheiden Sie zwischen aufeinanderfolgenden Fertigstellungen, variablen Losen, identischen parallelen Ressourcen und einzelnen Arbeitselementen. Halten Sie die Modi auseinander. Erfassen Sie Mix und Unterbrechungsregeln ohne personenbezogene oder vertrauliche Betriebsdaten in öffentlichen Beispielen.
Beobachten Sie die vereinbarte tatsächliche Methode mit dem Team. Beziehen Sie normale Streuung ein; entfernen Sie langsame Werte nicht stillschweigend. Unterbrochene oder unpassende Messungen bleiben mit Ausschlussgrund erhalten. Kleine Übungsstichproben zeigen Arithmetik, bestimmen aber nicht die nötige Stichprobengröße für belastbare Vorgaben.
Beobachtete Zeit, keine validierte Vorgabe
Fiktives Lehrbeispiel aus der Fertigung. Diese Zahlen sind keine Kundenergebnisse von ORDREL.
Fünf vergleichbare Einzelteilbeobachtungen betragen 54, 60, 66, 60 und 60 Sekunden. Zusammen 300 Sekunden für fünf Teile: Mittelwert = 300 ÷ 5 = 60 Sekunden je Einheit. Auch der Median ist 60. Das belegt weder geringe Streuung noch repräsentative Erhebung.
Für eine getrennte Demonstration der Vorgabezeit nehme ein qualifiziertes Verfahren einen Leistungsgrad von 110% als begründet an. Normalzeit = 60 × 1,10 = 66 Sekunden. Der höhere Grad bedeutet hier schnelleres beobachtetes Arbeiten als das Referenztempo; die angepasste Normalzeit wird deshalb länger. 110% ist eine fiktive Annahme, keine ORDREL-Empfehlung.
| Konvention | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zuschlag ist 15% der Normalzeit | 66 × (1 + 0,15) | 75,9 Sekunden |
| Zuschlag ist 15% der Vorgabezeit | 66 ÷ (1 − 0,15) | 77,6471 Sekunden |
Die Formeln beantworten unterschiedliche Fragen. Nennen Sie nicht beide nur „15% Zuschlag“, ohne den Nenner anzugeben. Übernehmen Sie keinen Beispielsatz; nutzen Sie die fachkundige Arbeitsmessungs- und Arbeitsbedingungsprüfung Ihrer Organisation.
Was ORDREL tatsächlich berechnet
Wählen Sie im Zeitstudien-Labor Fertigstellungsabstände, eine Einheit und eine Ressource und erfassen Sie die fünf Werte. Bei 480 Schichtminuten, 60 Pausenminuten und Bedarf 420 stehen 25.200 Sekunden zur Verfügung; Takt 60 Sekunden/Einheit. Mittelwert und Takt stimmen überein, die Modellkapazität beträgt 420 Einheiten.
Das Tool liefert beobachtete Statistik, Klassifikationen und passende Kapazitätsvergleiche. Es wendet die obigen Leistungsgrad-/Zuschlagsrechnungen nicht an und genehmigt keine Vorgabezeit. Tun Sie dies separat nach dokumentiertem Verfahren. Machen Sie im Einzelaufgabenmodus aus gemischten Elementen keine gemeinsame Produktionsrate.
Repräsentativität und Unsicherheit prüfen
Vergleichen Sie relevante Bedingungen: Anlauf und stabiler Betrieb, Produktfamilien, Methodenversionen und geschulte Bedienpersonen. Halten Sie den Zweck klar. Ein Fertigstellungsabstand am Linienende enthält die Wirkung der gesamten Linie, eine manuelle Elementzeit nicht.
Teilen Sie bei variablen Losen die gesamten Beobachtungssekunden durch sämtliche Einheiten, statt unterschiedliche Losquoten zu mitteln. 100 Sekunden für 10 und 300 für 20 Einheiten ergeben 400 ÷ 30 = 13,3333 Sekunden/Einheit, nicht den einfachen Mittelwert aus 10 und 15 Sekunden/Einheit.
Häufige Fehler
- Eine kurze Stichprobe ist ein Lehrbeispiel, kein Beleg einer stabilen Vorgabe.
- Der ideale OEE-Maschinenzyklus ist nicht automatisch der beobachtete Mittelwert.
- Zuschläge auf eine Rate mit denselben Verzögerungen zählen doppelt.
- Eine Methodenänderung macht einen ungeprüften Vergleich mit der alten Vorgabe ungültig.
- Zeitmessung ersetzt weder Ergonomie noch sichere Arbeitsanforderungen oder faire Beteiligung.
Quellen und Methodenhinweise
- Lean Enterprise Institute: Zykluszeit (Englisch)
- Lean Enterprise Institute: standardisierte Arbeit (Englisch)
Die Quellen stützen die Methodendefinitionen. Beispiele und Auslegungen sind ORDREL-Lehrmaterial, keine Empfehlung durch die genannten Organisationen.
